Was ist und was will Sportmedizin

Sportmedizin hat zwei wesentliche Facetten:

  • Sportmedizin kümmert sich um gesundheitliche Belange des Sportlers
  • Sportmedizin benutzt den Sport für medizinische Zwecke


Sportmedizin kümmert sich um gesundheitliche Belange des Sportlers

Sport ist eine „muskuläre Beanspruchung mit Wettkampfcharakter“. So formuliert es das Standard-Lehrbuch der deutschen Sportmedizin (Hollmann/Hettinger „Sportmedizin“). Beim Sport geht es zwar nicht zuletzt um die Gesundheit und um die Freude an der Bewegung. Aber Sport fördert, kanalisiert und formt  auch den menschlichen Ehrgeiz und die Leistungsbereitschaft. Dies ist eine äußerst wichtige Funktion des Sports für die Gesellschaft.
Allerdings tritt diese Seite des Sports gar nicht so selten in Konkurrenz zur Gesundheitsförderung.

 

"Der große Sport fängt da an, wo er längst aufgehört hat, gesund zu sein." (Bertolt Brecht)

 

Einige Beispiele:

  • Man kann sich beim Sport verletzen.
  • Man kann seinen Muskeln und Sehnen, seinen Gelenken und Bandscheiben zu viel zumuten.
  • Man kann sein Herz-Kreislaufsystem überfordern.
  • Frau kann sich durch den Sport hormonelle Probleme einhandeln

 

 

No Risk – No Fun: Dieser Satz ist zweifellos wahr. Das Risiko  sollte aber auch nicht unvernünftig hoch sein.

Weil das so ist, braucht der Sportler Mediziner, die seine Probleme verstehen und ihm nicht bei jeder auftretenden Störung den Ratschlag geben, den Sport doch einfach sein zu lassen. Umgekehrt möchte sich aber  kein Sportler auf unbegründeten Optimismus („Das wird schon“) verlassen.
Sportmedizin ist also die Kunst, den Sportler beim Ausloten der Grenzen sportlichen Ehrgeizes zu unterstützen und ihn medizinisch begründet zu beraten.

Natürlich ist dies zum Teil eine Form von „Luxusmedizin“. Die hierbei gewonnen Erkenntnisse nützen jedoch allen anderen Patienten. Neue Operationsverfahren, moderne Rehabilitationsmethoden wurden oft zuerst im (Leistungs)sport eingesetzt, bevor sie der gesamten Bevölkerung zu gute kamen.

Sportmedizin benutzt den Sport für medizinische Zwecke 
In einer Gesellschaft, die durch langes Sitzen, wenig Bewegung und zu hohe Kalorienaufnahme gekennzeichnet ist, ist Sport ein wichtiges Heilmittel für viele sog. „Zivilisationskrankheiten“. Ob Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Rückenschmerzen oder Depressionen – es gibt kaum eine Erkrankung, bei der dosierte sportliche Bewegung  nicht nützt. Sportmedizin motiviert und leitet Patienten zum Gesundheitssport.
Besonders wichtig aber: Bei Beschwerden, die sich bei der ungewohnten Bewegung am Anfang einstellen, kann Sportmedizin Symptome behandeln, Trainingsfehler korrigieren, auf zugrunde liegende Probleme hinweisen.

Was ist Sportmedizin nicht?

Das Ziel der Sportmedizin ist es nicht, Ihre Leistung als Sportler zu verbessern. Das müssen Sie schon selber tun.
Unterstützung erhalten Sie dabei von Ihrem Trainer und der Trainingswissenschaft.
Wir als Sportmediziner betreuen Sie als Sportler dabei medizinisch. Das heißt wir kümmern uns um dabei auftretende Gesundheitsprobleme oder helfen, diesen vorzubeugen.

Selbstverständlich gibt es viele inhaltliche Überschneidungen zwischen Sportmedizin einerseits und Sportwissenschaft oder Trainingswissenschaft andererseits. Wir nutzen viele Methoden gemeinsam und oft ist der gesündere Weg des Trainings auch der erfolgreichere. Auch arbeiten Trainer und Sportmediziner eng zusammen.  Leistungssteigerung ist aber nach unserer Auffassung kein Ziel der Sportmedizin.

Für uns ist die Unterscheidung der Funktion von Trainer bzw. Trainingswissenschaftler und Sportmediziner sehr wichtig.
Wenn der Sportmediziner diese Distanz  nicht ausreichend beachtet, wird er über kurz oder lang sein freies ärztliches Urteil verlieren.  Der Sportarzt sollte z.B. bei Tauglichkeitsuntersuchungen  allein die gesundheitlichen Belange der Sportler im Fokus seiner Analyse haben.
Er muß Risiken offen und klar ansprechen, um dem Sportler und seinem Trainer eine verlässliche Grundlage ihrer Entscheidungen zu geben.  Wenn es erforderlich ist, sollte sich ein Sportarzt auch nicht scheuen, bei bedenklichen gesundheitlichen Risiken  Sportverbote auszusprechen. Nur so ist er ein verlässlicher Partner für den Sportler und seinen Trainer.

Besonders wichtig ist die Distanz des Sportmediziners, wenn es um leistungssteigende Substanzen geht.
Doping-Affären, bei denen Sportmediziner eine wichtige Rolle spielen, zeigen wie wichtig es ist, dass der Sportmediziner Arzt bleibt.

Es ist daher sehr vernünftig, dass in Deutschland eine Weiterbildung für die Zusatzbezeichnung „Sportmedizin“ an eine vorher erlangte seriöse Facharztbezeichnung geknüpft ist.

Wie wird man Sportmediziner?
Um Sportmediziner zu werden, muß der Arzt zunächst eine Facharztbezeichnung erlangen (in der Regel 4- 8 Jahre Weiterbildungszeit, danach eine Prüfung vor der Ärztekammer). Dann kann er die Zusatzbezeichnung „Sportmedizin“ anstreben. Hierfür muß er 240 Stunden in von der Ärztekammer lizensierten Weiterbildungskursen absolvieren, außerdem muß er einen Sportverein unter Aufsicht eines kompetenten Weiterbilders betreuen. Am Ende dieser Weiterbildung steht erneut eine Prüfung vor der Ärztekammer. Erst wenn der Arzt diese bestanden hat, erhält er die begehrte Urkunde, die zum Führen der Zusatzbezeichnung Sportmedizin berechtigt.
Mehr über die Weiterbildung von Ärzten erfahren Sie auf der Website der Hamburger Ärztekammer.

-> www.aerztekammer-hamburg.de