Prinzipien der Behandlung

Vertrauen
Die Basis unserer Beziehung zu unseren Patienten ist, daß wir ihre Äußerungen über ihren Schmerz absolut ernst nehmen.
Schmerz ist immer subjektiv. Ein und dieselbe Erkrankung oder Verletzung wird von zwei verschiedenen Menschen völlig unterschiedlich erfahren. Der empfundene Schmerz ist immer anders. Selbst innerhalb einer Person variiert die Schmerzempfindung an zwei verschiedenen Zeitpunkten. Man kann keine Schmerzstärke angeben, die für eine bestimmte Störung – z.B. einen Unterarmbruch- „normal“ wäre. Viele subjektive Faktoren beeinflussen die Schmerzleitung und Schmerzwahrnehmung.
Daher ist es auch nicht richtig, Schmerzen von Patienten nicht „zu glauben“, sie ihm „nicht  abzunehmen“. Der Schmerz, den ein Mensch hat, den hat er auch. Denn: Schmerz ist immer subjektiv.
Dieses gegenseitige Vertrauen ist besonders wichtig in den Fällen, in denen keine Ursache für die Schmerzen gefunden werden können. Siehe hierzu auch den Punkt Schmerzen ohne Ursachen


Analyse

Vor der Schmerztherapie muß eine genaue Schmerzanalyse durchgeführt werden.
Daher führen wir bei chronischen Schmerzpatienten eine standardisierte Schmerzanamnese durch. Jeder Patient mit chronischen Schmerzen erhält von uns einen Fragebogen mit Angaben über seinen Schmerz, die Vorgeschichte sowie Hintergründe und Risikofaktoren.
Dieser Bogen ist über Links und Formulare als PDF-Datei herunterzuladen.
Aus der Art des Schmerzes, dem Verlauf , der Häufigkeit lassen sich Schlussfolgerungen für die Behandlung ziehen.
Zur Schmerzanalyse gehört auch die Schmerzstärke. Sie hierzu auch den Punkt Schmerz „messen“ – Algometrie
Sehr wichtig für uns sind bereits durchgeführte Therapien. Hierbei interessiert uns nicht nur, was gemacht wurde, sondern auch mit welchem Erfolg. Bei Medikamenten müssen wir nicht nur den Namen des Medikaments wissen, sondern möglichst auch die Dosis. Denn oft werden Medikamente nicht konsequent genug genommen (nicht „ausgereizt“).
Zwei einfache Fragen bringen sehr viel für die Planung der weiteren Behandlung:

  • Wodurch werden die Schmerzen hervorgerufen oder verstärkt?
  • Wodurch werden die Schmerzen gemildert oder beseitigt?


Ziele festlegen
Schmerztherapie benötigt realistische Ziele. Unrealistische Ziele sind die Garantie für Frustrationen und ein Überdauern der Symptome. Von manchen Behandlern und insbesondere auch einigen Pharmafirmen werden völlig absurde und unrealistische Möglichkeiten der Therapie oder von Medikamenten vorgegaukelt. Man muß sich darüber klar sein, daß Schmerz eine Grundlage des menschlichen Lebens ist und völlige Schmerzfreiheit mit dem Leben nicht vereinbar ist.
Schmerzreduktion ist unser Ziel, das nicht immer so weit erfüllt werden kann, wie man es sich erhofft. Schmerzkontrolle kann ein realistisches Ziel sein. Einen möglichst intelligenten Umgang mit dem Schmerz zu finden, ein anderes.
 
Behandlung
Die Behandlung von chronischen Schmerzen muß interdisziplinär sein. In der Schmerzkonferenz Bergedorf haben wir die institutionellen Rahmenbedingungen für eine effektive Zusammenarbeit von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen, Psychologen und Physiotherapeuten organisiert. Auch außerhalb der Schmerzkonferenz findet in der täglichen Arbeit eine interdisziplinäre Zusammenarbeit statt.
Das Leistungsspektrum unserer Praxis enthält die wichtigsten therapeutischen Verfahren der Schmerztherapie.
Darüber hinaus können wir die Therapiemöglichkeiten in der Praxisklinik Bergedorf sowie anderer Ärzte des Hamburger Stadtteils Bergedorf in die Behandlung einbeziehen.


Hilfe zur Selbsthilfe
Unsere schmerztherapeutische Behandlung ist Hilfe zur Selbsthilfe. Der Patient soll selbst möglichst viel Verantwortung in seiner Behandlung übernehmen. Die möglichst weitreichende Unabhängigkeit von Behandlern ist das Ziel . Die Stärke der „Selbstkontrollüberzeugung“ ist hierfür unerlässlich. Hierunter wird die Überzeugung verstanden, selbst etwas gegen den Krankheitsverlauf unternehmen zu können.
Eigenbehandlung und Eigeninitiative sind daher die wichtigsten Bausteine unseres Konzepts.   

Schmerz“messen“ – Algometrie

Läßt sich Schmerz messen?
Im naturwissenschaftlichen Sinne läßt sich Schmerz natürlich nicht messen. Eine Messung ist für einen Naturwissenschaftler ein quantitativer Vergleich zweier Größen. Das geht beim Schmerz nicht. Weder ist die Lautstärke eines Schmerzensruf, das Wegzucken oder der Gesichtsausdruck ein Maß des Schmerzes. Manche Menschen erleiden Schmerzen, ohne daß man es ihnen direkt ansieht. Natürlich gibt es davon Ausnahmen: Sehr starke Schmerzen gehen eigentlich immer mit äußerlichen Anzeichen einher.
Schmerz ist eine subjektive Größe. Nur der Betroffene kann angeben, wie stark der Schmerz von ihm empfunden wird. Daher ist es für den Schmerztherapeuten sehr wichtig, die Schmerzstärke seiner Patienten zu erfahren. Nur so können wir die Therapie anpassen und optimieren.
Dafür benötigen wir die Schmerz“messung“. Diese ist eigentlich eine abgestufte Bewertung des Schmerzes durch den Patienten. Dieser gibt an, wie stark er den Schmerz empfindet. Hierfür gibt es standardisierte Methoden, damit Arzt und Patient sich besser verständigen können.
 
Wie funktioniert Schmerzmessung?
Wir „messen“ den Schmerz, indem wir eine Skala von 0 bis 10 benutzen. 0 bedeutet dabei  überhaupt kein Schmerz, 10 ist der stärkste Schmerz, den sich der Betroffene vorstellen kann. Dieser geht meistens mit einem Stöhnen oder Weinen einher.
   
Schmerzlineal
Um sich unabhängiger von den Zahlen zu machen und um zu verhindern, daß man gewohnheitsmäßig immer wieder die gleichen Zahlen der Skalen ankreuzt, kann man die Schmerzmessung mit einem Schmerzlineal verbessern.
Das Schmerzlineal ähnelt einem Rechenschieber. Auf der einen Seite können „analog“ die Schmerzstärken eingestellt werden, ohne daß man Zahlenwerte sieht. Wenn man das Schmerzlineal umdreht, kann man den dazu passenden Wert ablesen und in sein Schmerztagebuch eintragen.

Schmerztagebuch
Um Verläufe der Schmerzstärken zu verfolgen, geben wir unseren Patienten oft ein Schmerztagebuch mit. Es ermöglicht es, die Wirkung von Medikamenten oder Therapien zu beurteilen. Es ist ein wirksames Mittel, die Behandlung zu optimieren, z.B. indem man die Zeitpunkte von Medikamentengaben ändert.
Wir verwenden je nach Erfordernis unterschiedliche Typen von Schmerztagebüchern.
-> Download Schmerztagebuch
 
Ist das alles objektiv?
Nein. Diese Messung ist nicht objektiv. Sie kann es auch nicht sein, denn der Schmerz selbst ist subjektiv.
Sie ist aber - wenn sie richtig ausgeführt wird - nicht willkürlich. Sie stellt eine subjektive Rangfolge von Zuständen da. Man könnte sie etwa mit der Bewertung von Restaurants oder Weinen vergleichen. Auch diese Bewertungen sind nicht objektiv, sondern letztendlich Abstufungen subjektiver Empfindungen. Diese Rangfolgen werden von den meisten Menschen als praktisch und akzeptabel empfunden. Sie ermöglichen Orientierung und bieten Hilfe bei Entscheidungen, ohne diese zwingend vorzugeben.
Ganz ähnlich verhält es sich mit den Schmerzskalen. Im Unterschied zu Bewertungen von Restaurants haben manche Menschen Vorbehalte gegen Schmerzskalen.
Wenn man die vorherigen Hinweise bedenkt, gibt es dafür eigentlich keine Gründe. Schmerzskalen sind kein Wunderwerk, sondern praktische Hilfsmittel in der Schmerztherapie.
 
Kann man etwas falsch machen bei der Schmerzmessung?
Ja. Man muß sich bei der Schmerzmessung konzentrieren. Außerdem sollte man versuchen, Willkür oder zu große Spontaneität zu vermeiden. So sollte man vermeiden den Schmerz mit dem Ärger über den Schmerz vermischen.
Ein mäßiger Schmerz, der einen Menschen an etwas hindert, was ihm sehr wichtig ist, kann sehr großen Ärger über den Schmerz hervorrufen. Wir beobachten das relativ oft bei aktiven Patienten , z.B. bei Sportlern, die durch den Schmerz an Training oder Wettkämpfen gehindert werden.
Viele Patienten kreuzen dann bei der Schmerzmessung spontan die 9 oder die 10 an, weil sie sehr verzweifelt oder wütend sind. Wenn sie kurz innehalten, fällt ihnen aber oft ein, daß der Schmerz nur eine 5 oder 6 verdient, der Ärger aber eine 10. Um diese Konzentrationsleistung zu erleichtern, verwenden wir neben der Schmerzskala zusätzlich die Skala „Ärger über den Schmerz“. Auch sie reicht von 0 bis 10.
 
Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?
Ja. Nicht bei jedem Patienten halten wir Schmerztagebücher für sinnvoll. Bei einigen Patienten kann es sein, daß wir davon abraten. Das ist dann der Fall, wenn wir zusammen mit dem Patienten erreichen wollen, daß er sich weniger mit seinem Schmerz beschäftigt. Wenn Schmerz zu sehr das Denken und Fühlen beherrscht, können Schmerztagebücher auch problematisch sein.

Wie erhält man einen Schmerztagebuch oder ein Schmerzlineal?
Von vielen Pharmafirmen sind Schmerzlineale und Tagebücher zu erhalten. Sie unterscheiden sich meist nicht sehr. Sprechen Sie uns oder Ihren behandelnden Arzt darauf an. Wir verwenden darüber hinaus eigene Schmerztagebücher.

-> Download Schmerztagebuch