Achillodynie (Fersenschmerzen)

 
Mehrere unterschiedliche Krankheitsbilder können Fersenschmerzen verursachen. Der medizinische Überbegriff für die schmerzhafte Ferse lautet „Achillodynie“. Eine Übersicht gibt die Tabelle.

Obwohl die Krankheitsbilder sich in vieler Hinsicht ähneln, ist es für den Mediziner notwendig, sie präzise voneinander zu unterscheiden. Denn bei allen Beschwerden im Fersenbereich ist die latente Gefahr eines Risses der Achillessehne zu berücksichtigen.
 
Fersenschmerz: Krankheitsbilder

 

Medizinischer Fachbegriff       

Erklärung des Begriffs

Ruptur und Teilruptur

Tendinitis

Peritendinitis

Bursitis subachillea

Haglund-Ferse

Riß der Achillessehne

Entzündung/ Reizzustand der Sehne

Entzündung des Sehnengleitgewebes

Schleimbeutelentzündung unterhalb der Achillesehne

Knochenverwölbung des Fersenbeins

 

Riß der Achillessehne
Ein Riß der Achillessehne ist oft ein relativ dramatisches Ereignis. Durch den dabei auftretenden Knall weiß der Sportler in der Regel schon was ihm gerade passiert ist, bevor es überhaupt schmerzt und lange bevor ein Arzt die Diagnose bestätigt. Besonders bei älteren Menschen kann der Riß aber auch schleichend auftreten.
 
Risse der Achillessehne können durch mechanische Überlastung entstehen, z.B. wenn man in eine Bodenunebenheit hineintritt. Die hierfür erforderlichen Kräfte sind jedoch bei einer normalen Sehne sehr hoch. Die meisten Achillessehnenrupturen entstehen daher auf dem Boden von verschleißbedingten Vorschäden.
Zu den Risikofaktoren der Achillessehnenruptur gehören auch Stoffwechselstörungen, wie z.B. erhöhte Harnsäure und erhöhte Blutfette.
Auch das Rauchen wirkt sich schädlich auf die Sehnen aus. Eine gesunde Ernährung und der Verzicht auf Nikotin sind daher wirksame Methoden, das Risiko für Risse zu minimieren.
 
Aber auch mechanische Faktoren spielen eine Rolle. Viele sportlich beanspruchte Wadenmuskeln sind nicht dehnfähig genug.
So kommt es zu vermehrtem Zug an der Achillessehne. Studien haben ergeben, daß regelmäßiges Dehnen der Wadenmuskeln das Risiko für Achillessehnenrisse deutlich reduziert.


Tendinitis
Für den Sportler ist es wichtig zu wissen, daß den meisten verschleißbedingten Rissen der Achillessehne entzündliche Veränderungen der Sehne („Tendinitis“) vorhergehen. Daher muß der behandelnde Arzt in vielen Fällen ein befristetes Sportverbot oder Einschränkungen für sportliche Tätigkeiten aussprechen. In jedem Fall sollte man Fersenschmerzen nicht auf sich beruhen lassen und rechtzeitig eine Therapie einleiten. In besonders schweren Fällen ist sogar eine prophylaktische Operation der Tendinitis erforderlich.
Das genaue Ausmaß der Vorschädigung kann der Orthopäde mit einer Ultraschalluntersuchung bestimmen.
 
Instabile Gelenke
Weitere mögliche Ursachen können zu einer Tendinitis der Achillessehne führen.
Instabile Sprunggelenke sind eine der wichtigsten Ursachen hierfür. Kommt es- z.B. durch den Riß von Knöchelbändern - zu einer Instabilität im Sprunggelenk, wird die Achillessehne in sich verdreht. Sie muß starke Verwringungskräfte aushalten. Diese können zur Zermürbung der Sehne führen. Die Behandlung der Instabilität - nach Maßgabe des Arztes - beugt daher Achillessehnenproblemen vor. Ein gutes Mittel dabei ist das Auftrainieren der seitlichen Unterschenkelmuskeln (Peronaeus-Muskulatur). Diese Muskulatur läßt sich durch ein zusätzliche Koordinationstraining auch dynamisch angepaßt trainieren (Abb.2).
 
Gedämpfte Sohlen?
Viele Sportler bevorzugen inzwischen dicksohlige, stark gedämpfte Sportschuhe. Die starke Dämpfung ist für die Achillessehne jedoch nicht unproblematisch. Durch die weiche Sohle kommt es zu einer Zunahme von Scher- und Verwringungskräften. Wer also bereits Achillesehnenprobleme hat, sollte nicht zusätzlich noch zu weiche und damit instabile Sohlen oder Einlagen tragen. Auch Schuhe, die im Fersenbereich zu locker sitzen, können sich auf die Achillessehne negativ auswirken. Umgekehrt können zu starre Schuhe durch Hebelwirkung ebenfalls ungünstig sein.

Laufboden und Laufrichtung
Auch der Boden, auf dem der Sportler läuft, kann eine Rolle spielen. Sportschuhe und Laufstil müssen dem Boden angepaßt sein. Es ist zu empfehlen, nicht ständig auf dem gleichen Boden zu laufen, sondern dem Körper auch mal eine Abwechslung zu gönnen. Wird Wettkampfsport auf hartem und unelastischem Boden betrieben, ist ein gelegentliches Training auf weichem Waldboden ein guter Ausgleich.
Wer im Stadion seine Runden immer in die gleiche Richtung dreht, belastet seine Gelenke und die Achillessehne zu einseitig. Der äußere und der innere Fußrand werden unterschiedlich belastet. Eine Änderung der Laufrichtung sollte daher nicht vergessen werden.


Therapiemöglichkeiten

 
Vorsicht Fersenkissen
Oftmals werden weiche Fersenkissen verordnet. Das ist jedoch problematisch. Genau wie durch zu weiche Sohlen, wird durch weiche Gummipolster das Sprunggelenk zu instabil. Die Beschwerden können sich hierdurch verstärken.

Fersen- oder Absatzerhöhung

Viele Ärzte verordnen weiche oder feste Fersenkissen, um die Sehne etwas zu entlasten. Durch die Absatzerhöhung werden Ursprung und Ansatz der Wadenmuskulatur einander angenähert. Die Einheit von Muskel und Sehne wird etwas kürzer. Die Spannung in der Sehne sinkt zunächst. Hierdurch läßt sich sicher eine Reduktion der Sehnenbelastung erzielen. Der Erfolg ist jedoch oft nur kurzfristig, denn durch die Fersenerhöhung werden die Wadenmuskeln auch dauerhaft kürzer. Sie werden daher wieder anfälliger für Zugbelastungen.
Daher verwenden wir die Fersenerhöhung allenfalls nur kurzfristig in sehr akuten Fällen . Aber: in der postoperativen Nachbehandlung spielt die Fersenerhöhung eine wichtige Rolle.

Bandagen
Es gibt recht effektive Bandagen für die Achillessehne. Diese stabilisieren das Obere Sprunggelenk und üben eine milde Friktionsmassage auf die Sehne aus. Sie sind in einigen Fällen sehr sinnvoll. #
 
Fußstatik
Veränderungen in der Fußstatik können Achillesehnenprobleme hervorrufen. Einlagen, insbesondere dynanamische Einlagen mit Weichpolster können helfen.
 
Beinlängendifferenzen, Beckenstatik, Wirbelsäulendeformitäten

Auch sonst eher harmlose Unterschiede in der Beinlänge können sich in ungleicher und damit schädlicher Belastung äußern. Diese festzustellen ist aber eine recht aufwendige ärztliche Aufgabe. Der Sportorthopäde kann aufgrund von Beinlängendifferenzen, Muskelverkürzungen und anderen Faktoren, wozu z. B. auch die Wirbelsäulenform gehört, eine Empfehlung für einen Längenausgleich aussprechen. Diese kann z.B. in einer Erhöhung der Schuhsohlen oder auch in Einlagen bestehen. Diese Maßnahmen stellen jedoch einen Eingriff in ein ausgeklügeltes System des Körpergleichgewichtes dar. Diese sollten daher nur im Dialog zwischen Sportler, Ärzten und ggf. Physiotherapeuten unternommen werden.

Cortisoninjektionen
Injektionen mit Cortison oder auch nur mit lokalem Betäubungsmittel können die Entzündung im Sehnengleitgewebe stoppen. Dabei darf das Cortison nie in die Sehne selbst, sondern nur in ihre unmittelbare Umgebung gegeben werden.
Diese Therapie ist jedoch nicht unumstritten. Es wird befürchtet, daß die Rate der Sehnenrisse unter Cortison-Therapie steigt.
Wir setzen daher Cortison-Injektionen extrem selten- in sehr akuten oder heftigen Entzündungen im Gleitgewebe - ein.
 
Physikalische Therapie
Therapeutisches Ultraschall, Strombehandlung sind die erste Linie der Physikalischen Therapie. Unterstützt wird diese durch Intensives Dehnen (s. unten) und Stabilisierung des Sprunggelenks

Physiotherapie
Querfriktion nach Cyriax, Dehnungen, Propriozeptives Training und Kräftigung der Peronäusmuskeln sind die wichtigsten Bausteine unseres Therapiekonzepts.
 
Stoßwellen-Therapie



Selbst-Behandlung


Was kann man als Patient selbst tun?

1. Das wichtigste ist Geduld. Sehnen sind nicht durchblutet. Sie ernähren sich durch Diffusion („Einsickern“ ) von Nähr-und Sauerstoff. Heilungsprozesse in diesem Gewebe laufen viel langsamer ab, als z.B. im Muskel oder in der Haut.
2. Rauchen sofort aufgeben. Wer sportlich intensiv trainiert und trotzdem weiter raucht, hat kaum Chancen seine Achillodynie wieder loszuwerden.
3. Intensives Dehnen
   
Intensives Dehnen
Bei der Achillodynie sollte man folgende Dehnungen durchführen:
 
1. Dehnung Wadenmuskeln mit gestrecktem Knie
2. Dehnung Wadenmukseln mit gebeugtem Knie
3. Intensiv-Dehnen mit belastetem Bein
4. Dehnung M. Iliopsoas (Hüftbeuger)
5. Dehnung Großzehenbeuger
6. Dehnung Zehenstrecker